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First Take
"...wenn Du zu meinem
Haus kommst, lieber Freund,
bring mir eine Lampe und eine Luke,
aus der ich das Gedränge in der glücklichen Gasse
sehen kann."
Forugh Farrokhzad
Die Welt kann unter Deinen Flügeln liegen,
das Leben in Deinen Händen,
wenn Du aufstehst und gehst,
und die Freiheit und den Flug,
mit dem lautesten Ruf,
mit der Stimme einer Frau,
ausrufst.
Wir wollten ein Fenster
öffnen,
so klein es auch sei.
Und vielleicht kann
auf Deine kalten einsamen Jahreszeiten
ein Lichtstrahl scheinen,
so matt er auch sein mag.
Diana Saqeb
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SECOND TAKE
beschreibt die Wiederholung einer Einstellung, um ein besseres
Ergebnis zu erzielen. Die zweite Einstellung ist niemals identisch
mit der ersten. SECOND TAKE als Filmfestival ist die Fortführung
des Filmprogramms SPLICE IN, das zuvor in Deutschland zu sehen
war.
In der kurzen Geschichte
des afghanischen Kinos stehen seit 2001 Frauen erstmals
auch hinter der Kamera. Ihre filmische Arbeit ist
zugleich eine politische, in der sie die gegenwärtige
Situation reflektieren und kritisieren sowie sich für
den künftigen Status von Frauen in der afghanischen
Gesellschaft engagieren.

Plakat SECOND TAKE
Dem wiederholt instrumentalisierten Thema
"Frauen und Afghanistan" stellt das Festival SECOND
TAKE lokale Initiativen von FilmemacherInnen, Schauspielerinnen
und Frauenorganisationen gegenüber, deren politische
Arbeit oftmals weit vor die Taliban-Zeit zurückreicht
und auch aus dem Exil geführt wurde.
SECOND TAKE zeigt aktuelle Dokumentarfilmproduktionen,
abendfüllende Spielfilme und kurze Aufklärungsspielfilme,
wie z.B. den 2004 gedrehten kurzen Kurzspielfilm Rushany
("Klarblick") des Regisseurs Latif Ahmadi, der
auf eine humorvolle Art und Weise von der Alphabetisierung
von Frauen auf dem Dorf handelt. Außerdem werden zwei
historische Filme aus dem Archiv von Afghan Films zu sehen
sein: der 1969 gedrehte Spielfilm Talabgar ("Der Heiratskandidat")
von Khaleq Alil und der 1990 gedrehte Kurzspielfilm Sayeh
("Schatten") des Regisseurs Alqas.
In einen filmischen Bogen nach Indien, Iran,
Europa und USA werden Themen wie Gender und Gesellschaft
innerhalb und über nationale Grenzen hinweg verhandelt.
So dokumentiert z.B. der indische Film Nari Adalat ("Frauengerichte")
der Filmemacherin und Frauenaktivistin Deepa Dhanraj eine
aus Selbstinitiative hervorgegangene alternative Rechtsform,
die in bestehende hierarchische Rechtsstrukturen eingreift.
In dem Dokumentarfilm Ruz-e gar-e ma ("In diesen Zeiten")
begleitet die iranische Regisseurin Rakhshan Bani-Etemad
die 48 Kandidatinnen, die sich 2001 vergeblich für
das Präsidialamt bewarben. Historisch wird mit den
Dokumentarfilmen der berühmten iranischen Regisseurin
und Dichterin Forugh Farrokhzad und des Regisseurs Kamran
Shirdel an das iranische Kino der 1960er Jahre angeknüpft.
Der 1996 von Jean-Luc und Pierre Dardenne in Belgien gedrehte
Spielfilm La Promesse behandelt die Situation von Flüchtlingen
in Belgien und die Beziehung des 15-jährigen Igors
zu seinem Vater.
Auftakt des Festivals bildet die 2007 von
Diana Saqeb gedrehte Dokumentation 25 Darsad ("25 Prozent")
über die alltäglichen Schwierigkeiten von Parlamentarierinnen
in Afghanistan. Im Anschluß wird der Film Divorce
Iranian Style ("Scheidung auf iranisch") von Kim
Longinotto und Ziba Mir-Hosseini zu sehen sein.
Das Filmprogramm SPLICE IN war zuvor in
Deutschland in Kassel, Berlin und in Hamburg zu sehen und
wurde nun in Kooperation mit CACA-Kabul in Kabul unter dem
Titel SECOND TAKE neu zusammengestellt.
Last Take
Die derzeitige Atmosphäre, in der die Menschen
unter einer instabilen Lebensrealität leiden, die alltäglichen
Explosionen das Leben erheblich erschweren und in der Kultur
angefeindet wird, in diesen Zeiten ist es scheinbar ein
Ding der Unmöglichkeit, ein Filmfestival zum Thema
Gender zu organisieren.
Die Entschlossenheit des Veranstalter_innen-Teams, eine
offene Atmosphäre zu schaffen, hat uns trotz der widrigen
Umstände aus Deutschland und Afghanistan zusammengebracht,
damit das Filmfestival SECOND TAKE Früchte tragen kann.

Filmstill aus Postcards from Tora Bora
Einige Worte zu den Veranstaltern
mazefilm, ist eine unabhängige Künstlerinnengruppe,
die in Berlin von zwei Künstlerinnen gegründet
wurde. Dokumentarfilmproduktionen, Forschung zu Gender und
Politik im Film und das Veranstalten von Filmfestivals bilden
die wesentliche Arbeit dieses künstlerischen Zusammenhangs.
Afghanistan steht seit einigen Jahren im Zentrum der Arbeit
dieser Gruppe.
So war mazefilm an der Herausgabe des Buches Kabul/Teheran
1979ff - Filmlandschaften, Städte unter Stress und
Migration, einem Buch zu Film, Stadtentwicklung und Migration
und an der Ausstellung Kabulistan in Madrid beteiligt.
Dem Zentrum für Kunst und Kultur Afghanistan
(CACA-Kabul), 2003 in Kabul gegründet, ist es ein wichtiges
Anliegen, unabhängige und neue Entwicklungen zu bewirken.
CACA-Kabul produziert Dokumentarfilme, ist Herausgeber des
Literatur- und Kunstmagazins Honarmand, organisiert Filmfestivals
und veranstaltet unter dem Namen Cinema-Club Diskussionsrunden
zur Kritik und Analyse von Filmen.
Gemeinsame Auffassungen haben die Zusammenarbeit
zwischen mazefilm und CACA-Kabul und die Realisierung des
Festivals SECOND TAKE in Kabul ermöglicht. Vorstellung
Nicht zuletzt wollen wir diejenigen erwähnen,
die uns bei der Realisierung des Festivals SPLICE IN in
Deutschland und SECOND TAKE in Afghanistan unterstützt
haben und ihnen an dieser Stelle danken:
Ingenieur Latif Ahmadi / Afghan Film / Kabul,
Jochen Becker / metroZones / Berlin, Gabriel Buti &
Kristell Dorval / French Cultural Center / Kabul, Kai Franke
DAAD / Dushanbe, Jeannette Gaussi / Berlin, Golalai Habib
/ Donya-je zan / Kabul, Lien Heidenreich & Ibrahim Hotak
& Rita Sachse Toussaint / Goethe-Institut / Kabul, Azra
Jafari & Guissou Jahangiri / Armanshahr / Kabul, Tarous
Jaghory / Kabul, Joost Janmaat / Amsterdam, Ali Karimi /
CACA-Kabul, Merle Kröger / Berlin, Anke Marschall /
Berlin, Jamila Mujahed & Matin Mujahed / Malalai / Kabul,
Mowdood Popal / Kabul, Marion Müller & Semin Qasmi
/ Heinrich-Böll-Stiftung, Roya Sadat / Kabul, Nacir
& Schabnam Alqas / Kassel, Katharina von Wilcke / DepArtment
/ Berlin, Leeda Yaqoobi & Afifa Azim / Afghan Women's
Network / Kabul
Wir hoffen, dass das Ergebnis dieser Zusammenarbeit
weitere Kooperationen zwischen unabhängigen Gruppen
im In- und Ausland zur Folge haben wird.
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